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Angebrochener Proteinriegel, Schälchen mit weißen Süßungskristallen und ein Glas Wasser
Ratgeber · Verträglichkeit

Zuckeralkohole und Blähungen

Viele zuckerreduzierte Riegel und Pulver sind mit Polyolen gesüßt. Warum das bei manchen Menschen im Bauch spürbar wird – und wie du es auf dem Etikett erkennst.

Autor
Redaktion S.N.M. Elite
Veröffentlicht
26.10.2026
Zuletzt geprüft
26.10.2026
Lesezeit
7 Min.
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Kurzantwort

Das Wichtigste in Kürze

Kurzantwort

Zuckeralkohole – fachlich Polyole oder Zuckeraustauschstoffe – süßen viele zuckerreduzierte Riegel und manche Pulver. Der Körper nimmt sie im Dünndarm nur teilweise auf. Der Rest gelangt in den Dickdarm, bindet dort Wasser und wird von Darmbakterien vergoren. Das kann bei größeren Mengen Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall auslösen. Wie viel jemand verträgt, ist sehr unterschiedlich. Enthält ein Lebensmittel mehr als 10 % zugesetzte Polyole, muss auf der Packung stehen: „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“.

Merksatz

„Zuckerfrei“ heißt nicht „ohne Süßungszutat“. Wer nach einem Riegel Bauchgrummeln hat, sollte zuerst nach den Polyolen in der Zutatenliste suchen – nicht nach dem Protein.

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Grundlagen

Was Zuckeralkohole sind und was sie im Darm tun

Zuckeralkohole haben mit Trinkalkohol nichts zu tun. Der Name beschreibt nur ihre chemische Struktur. In der EU sind sie als Zusatzstoffe der Gruppe Süßungsmittel zugelassen. Die Verbraucherzentrale führt acht Zuckeraustauschstoffe auf, darunter Sorbit (E 420), Maltit (E 965), Xylit (E 967) und Erythrit (E 968). Anders als intensive Süßstoffe werden sie in größeren Mengen eingesetzt, weil sie auch Volumen und Textur liefern. Genau das macht sie in Proteinriegeln beliebt – und erklärt, warum dort schnell mehrere Gramm zusammenkommen.

Mechanismus

Wasser im Darm

Polyole, die im Dünndarm nicht aufgenommen werden, ziehen im Darm Wasser an. Bei größeren Mengen kann das den Stuhl weicher machen bis hin zu Durchfall. Daher stammt der Pflichthinweis zur abführenden Wirkung.

Mechanismus

Gärung im Dickdarm

Was den Dickdarm erreicht, vergären Darmbakterien. Dabei entstehen Gase – spürbar als Blähungen, Völlegefühl oder Bauchgrummeln. Polyole zählen deshalb auch zu den sogenannten FODMAPs, also schlecht aufnehmbaren, schnell vergärbaren Kohlenhydraten.

Energie

Nicht kalorienfrei

Polyole liefern im Schnitt weniger Energie als Zucker. Für die Nährwertkennzeichnung gilt EU-weit ein Faktor von 2,4 kcal je Gramm, für Erythrit 0 kcal. Ein „zuckerfreier“ Riegel kann deshalb trotzdem spürbar Energie liefern.

Nährwerttabelle

Wo Polyole auftauchen

Polyole zählen in der Nährwerttabelle zu den Kohlenhydraten, aber nicht zum „davon Zucker“. Hersteller dürfen sie freiwillig als eigene Zeile „mehrwertige Alkohole“ ausweisen. Fehlt diese Zeile, hilft nur die Zutatenliste.

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Polyole im Vergleich

Nicht jeder Zuckeralkohol verhält sich gleich

Polyol ist nicht gleich Polyol. Die Stoffe unterscheiden sich darin, wie viel davon der Körper aufnimmt und wie viel im Dickdarm ankommt. Wer auf einen stark mit Maltit gesüßten Riegel reagiert, reagiert deshalb nicht zwangsläufig auf ein Produkt mit Erythrit – und umgekehrt.

Übersicht

Häufige Zuckeralkohole in Riegeln und Pulvern

Klick zum Ausklappen

StoffE-NummerTypischer EinsatzEinordnung zur Verträglichkeit
MaltitE 965Riegel, SchokoladenüberzügeSteht in Riegeln oft weit vorne. In größeren Mengen sind Blähungen und Durchfall möglich.
SorbitE 420Riegel, Süßwaren, KaugummiGrößere Mengen können abführend wirken. Pflichthinweis ab mehr als 10 %.
XylitE 967Kaugummi, Süßwaren, PulverGrößere Mengen können abführend wirken. Die EFSA-Neubewertung ist laut Verbraucherzentrale noch nicht abgeschlossen.
ErythritE 968Pulver, Riegel, TafelsüßeWird beim Menschen gut aufgenommen und größtenteils unverändert über den Urin ausgeschieden. Kann laut EFSA trotzdem Durchfall auslösen.
Isomalt, Lactit, MannitE 953, E 966, E 421Süßwaren, seltener in SportproduktenEbenfalls Polyole. Gleicher Pflichthinweis ab mehr als 10 %.

Allgemeine Einordnung nach Verbraucherzentrale und EFSA. Wie viel du verträgst, hängt von Menge, Mahlzeit und deiner individuellen Reaktion ab.

Sonderfall Erythrit

Erythrit gilt oft als „besser verträglich“. Belegt ist: Der Körper nimmt es gut auf und scheidet es größtenteils unverändert über den Urin aus. Die EFSA hat 2023 trotzdem festgehalten, dass Erythrit Durchfall auslösen kann, und eine Ausnahme vom Abführ-Hinweis abgelehnt. Ihr Sicherheitswert (ADI) von 0,5 g je kg Körpergewicht und Tag leitet sich genau aus dieser Schwelle ab. Er ist ein Sicherheitsmaßstab, keine Verzehrempfehlung.

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Praxis

So findest du Polyole auf dem Etikett

1. Zutatenliste nach Stoffnamen absuchen

Polyole stehen mit dem Klassennamen „Süßungsmittel“ und ihrem Namen oder ihrer E-Nummer in der Zutatenliste, etwa „Süßungsmittel: Maltit“ oder „E 965“. Je weiter vorne sie stehen, desto größer ist ihr Anteil.

2. Auf den Abführ-Hinweis achten

Steht „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ auf der Packung, enthält das Produkt mehr als 10 % zugesetzte Polyole. Das ist eine Information über die Rezeptur – keine Aussage darüber, ab welcher Menge du persönlich Beschwerden bekommst.

3. Nährwerttabelle lesen

Gibt es eine Zeile „mehrwertige Alkohole“, siehst du den Gehalt je 100 g direkt. Ist der Kohlenhydratwert hoch, „davon Zucker“ aber niedrig, kann das ein Hinweis auf Polyole sein – oder auf Stärke und andere Kohlenhydrate. Die Zutatenliste klärt es.

4. Menge und Situation mitdenken

Zwei Riegel nacheinander, dazu ein Shake mit Polyolen und zuckerfreie Kaugummis summieren sich. Wer Beschwerden zuordnen möchte, notiert Produkt, Menge und Zeitpunkt – und ändert immer nur eine Sache auf einmal.

5. Andere Ursachen nicht übersehen

Ein Riegel enthält oft auch Milchbestandteile, zugesetzte Ballaststoffe wie Inulin oder Zuckerreste. Auch diese können eine Rolle spielen. Polyole sind ein häufiger, aber nicht der einzige Verdächtige.

Beispiel aus der Beratung

Ein Kunde verträgt seinen Proteinshake gut, bekommt aber nach einem bestimmten Riegel regelmäßig Blähungen. Er vermutet das Protein. Ein Blick auf die Packung zeigt: Maltit steht an zweiter Stelle der Zutatenliste, darunter der Abführ-Hinweis. Im Shake ist dagegen nur ein intensiver Süßstoff enthalten. Nicht das Protein unterscheidet die beiden Produkte, sondern die Süßungszutat. Ob genau das die Ursache ist, lässt sich so nur vermuten – aber es ist ein konkreter Ansatzpunkt.

Kapselglas, Lupe und Warndreieck auf dunklem Marmor
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Grenzen

Was der Hinweis auf der Packung nicht leistet

Kein persönlicher Grenzwert

Die 10-%-Schwelle betrifft die Rezeptur, nicht deinen Körper. Empfindliche Menschen können schon auf Produkte unterhalb dieser Grenze reagieren, andere vertragen deutlich mehr. Eine allgemeingültige Verträglichkeitsmenge gibt es nicht.

Zugelassen heißt bewertet – nicht beliebig

Polyole sind von der EFSA bewertete Zusatzstoffe. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass mehrere Bewertungen gerade aktualisiert werden und Fragen etwa zum Darmmikrobiom noch offen sind. Weder eine Entwarnung für beliebige Mengen noch Alarm trifft den Stand.

Anhaltende Beschwerden ärztlich abklären

Blähungen und Durchfall haben viele mögliche Ursachen. Halten Beschwerden an, kommen sie ohne erkennbaren Zusammenhang oder treten Warnzeichen wie Blut im Stuhl, Fieber oder ungewollter Gewichtsverlust auf, gehört das in ärztliche Hände. Eine Selbstdiagnose über Etiketten ersetzt keine Untersuchung.

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Fazit

Die Süßungszutat zuerst prüfen

Zuckeralkohole sind eine zugelassene Möglichkeit, Riegel und Pulver mit weniger Zucker zu süßen. Sie verhalten sich im Darm aber anders als Zucker – und das kann bei größeren Mengen spürbar werden. Wer Zutatenliste, Abführ-Hinweis und Menge kennt, kann Beschwerden gezielter einordnen, statt pauschal das Protein zu verdächtigen.

Bei Bauchgrummeln nach dem Riegel lohnt der Blick auf die Süßungsmittel mehr als der auf den Proteingehalt.

FAQ

Häufige Fragen

Sind Zuckeralkohole Alkohol?

Nein. Der Name beschreibt nur die chemische Struktur. Polyole haben keine berauschende Wirkung.

Ab welcher Menge bekomme ich Blähungen?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Es hängt vom Polyol, der Menge, der übrigen Mahlzeit und deiner individuellen Empfindlichkeit ab.

Was bedeutet „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“?

Der Hinweis ist Pflicht, wenn ein Lebensmittel mehr als 10 % zugesetzte Polyole enthält. Er beschreibt die Rezeptur, nicht deine persönliche Verträglichkeitsgrenze.

Ist Erythrit besser verträglich als Maltit?

Erythrit wird größtenteils aufgenommen und über den Urin ausgeschieden, deshalb erreicht weniger den Dickdarm. Die EFSA hält aber fest, dass auch Erythrit Durchfall auslösen kann.

Sind Polyole kalorienfrei?

Meist nicht. Für die Kennzeichnung gilt ein Faktor von 2,4 kcal je Gramm. Nur Erythrit wird mit 0 kcal angesetzt.

Sind Süßstoffe dasselbe wie Zuckeralkohole?

Nein. Intensive Süßstoffe wie Sucralose werden in winzigen Mengen eingesetzt und sind eine andere Stoffgruppe. Beide fallen unter den Oberbegriff Süßungsmittel.

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Marco KalsnerMarco KalsnerRedaktion & Technik
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Stand: 26.10.2026 · Inhalte werden regelmäßig überprüft und aktualisiert.

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